(Archivbericht: Freediving.at, 2006)

Diese Studie zeigt, dass es möglich ist seine Apnoefähigkeiten durch gezieltes Training zu verbessern. Bei fortgeschrittenen Apnoisten wird der Tauchreflex schon durch Luftanhalten alleine aktiviert und durch kaltes Wasser verstärkt. Diesen Reflex kann man trainieren.

Ein stärkerer Tauchreflex wird von einer geringeren SpO2 Verringerung im Körper begleitet. Dies wird dadurch erklärt, dass durch den Tauchreflex die Entleerung des Lungensauerstoffspeichers verlangsamt wird, was einen Sauerstoff konservierenden Effekt zur Folge hat. Die Pulsverminderung ist kurz nach dem Eintauchen bei Anfängern durchaus ausgeprägter als bei fortgeschrittenen Apnoisten.





Allerdings kommt es bei Anfängern in weiterer Folge durch die hervorgerufene Hypoxie zu einer Tachykardie. Bei den Fortgeschrittenen fällt der Puls oft etwas langsamer, jedoch bleibt er auch gegen Ende des Tauchgangs ziemlich niedrig bzw. fällt sogar weiter.





Wie in den Diagrammen zu sehen ist, ähneln sich die Tauchgänge (erste und letzte Messung), sowohl von der charakteristischen Pulskurve als auch der SpO2 Kurve der jeweiligen Probanden. Sie sind lediglich zeitlich verschoben. Durch gezieltes Training kann der Körper dazu gebracht werden, auch in Extremsituationen, in unserem Fall starke Hypoxie, nur eine geringe Menge O2 zu verbrauchen. Weiters ist zu beobachten, dass der Atemreiz nicht aufgrund des O2 Mangels hervorgerufen wird, sondern dem CO2 Überschuss zuzuschreiben ist. Wie wir in unseren Versuchen beobachten konnten brachen die Athleten ihren maximalen Versuch zum Teil ab, obwohl die O2 Sättigung im Vergleich zu früheren Messungen eigentlich noch sehr hoch war. Aber was verändert sich im Körper und weshalb kann man seine Fähigkeit die Luft anzuhalten verbessern? Im Grunde sind zwei Faktoren ausschlaggebend. Zum einen kann man „lernen“ die O2 Sättigung über einen längeren Zeitraum aufrecht zu halten. Zum anderen wird durch Training die CO2 Toleranz verbessert, der Atemreiz kann somit hinausgezögert werden. Dies erkennt man deutlich an den SpO2 Kurven, die im letzten Versuch deutlich niedriger waren als beim ersten. Beides lässt auf einen verbesserten Tauchreflex und eine längere Entspannungsphase schließen. Besonders gut kann man dies bei Apnoe in kaltem Wasser beobachten, wo der Tauchreflex noch verstärkt wird.

Generell erkennt man auch Unterschiede in der Vorbereitung der Probanden. Die Gruppe der Anfänger hat kein automatisch ablaufendes Atemprozedere. Folglich taucht er nicht völlig entspannt ab. Jedoch macht der Tauchreflex bei Anfängern einiges wieder wett. Bei Fortgeschrittenen sieht man oft ein anderes Phänomen. Sie können mit gezielten Atemtechniken ihren Herzschlag senken oder erhöhen. Bei vielen Wettkampf-Apnoisten ist eine gezielte Hyperventilation - ein niedrigeres CO2 Level bedeutet einen späteren Atemreiz - Teil ihrer Vorbereitung. Sie können, mithilfe des „Karpfens“, eine spezielle Atemtechnik durch die man zusätzlich bis zu 3 Liter Luft in die Lunge aufnehmen kann, bei weitem mehr Luft in ihre Lunge pressen als Anfänger. Das „Karpfen“ bedeutet jedoch nicht nur ein Plus an ausgenutztem Lungenvolumen, sondern stellt auch eine höhere Belastung für das Kreislaufsystem dar. Im Zuge dessen erhöht sich automatisch die Herzfrequenz. Bei einem Probanden sogar auf bis zu 200 Schläge in der Minute über einen Zeitraum von fast 2 Minuten. Dies ist der Grund, warum bei Fortgeschrittenen der Puls, trotz Tauchreflex, etwas langsamer fällt als bei den Anfängern.

Etwas Grundlegendes kann man nach dem Auftauchen beobachten. Taucht der Proband nach einem maximalen Tauchgang auf und beginnt zu atmen, fällt seine SpO2 weiter ab. Dies lässt sich dadurch erklären, dass es etwas Zeit dauert bis das mit O2 angereicherte Blut in der Peripherie und auch im Gehirn ankommt. Diese Zeit kann etwas über 10 Sekunden dauern. In dieser Zeit ist der Athlet besonders anfällig für LMC oder sogar BO, da seine O2-Sättigung um weitere 10 – 15% fällt. Folglich ist es die primäre Aufgabe des Apnoisten keine O2-raubenden Bewegungen zu machen, sondern sich auf die Atmung zu konzentrieren. Aber auch die Bewegung des Zwerchfells und der Atemhilfsmuskulatur kann dann schon zu viel sein. Deswegen benutzen Wettkampf - Apnoisten meist eine spezielle Atemtechnik, die Pressatmung. Hierbei wird nach dem Auftauchen 1-2 Mal tief ein und ausgeatmet. Danach wird tief Luft geholt und der Atem wieder angehalten, während mit Hilfe des Zwerchfells ein Überdruck aufgebaut wird. Durch den leichten Überdruck in der Lunge diffundiert das O2 besser und wird schneller vom Hämoglobin gebunden, was zur Folge hat, dass die Normalsättigung schneller erreicht wird.

Weitere Infos:
Die komplette Arbeit besteht aus 16 Seiten. Falls Interesse besteht, wird das Original gerne zugesendet. Infos per mail

Author: Markus Wurm






Druckbare Version


Herbert Nitsch ist der tiefste Mann der Welt!
The Next Generation