Alle Jahre wieder…
…kommt nicht nur das Christuskind, auch in den Tagesgazetten wird teilweise krampfhaft nach Themen gesucht, die geeignet sind, die Leserschaft emotionell zu stimulieren.



So geschehen erst gestern in der relativ jungen Tageszeitung „Österreich“:
ein Fischer hat vor der Küste Kroatiens beim Thunfischfang auch zwei Haie im Netz gehabt. Mit einer Größe von 2,50 Meter durchaus beachtliche Exemplare und das beigefügte Foto lässt die verendeten Tiere nicht unbedingt als Kuscheltiere erscheinen. Allerdings zumindest für mich auch nicht als Weißspitzenriffhaie, wie sie die Tageszeitung einordnet, aber das sei nur nebenbei bemerkt. Nun ist also Angst unter den Touristen, denn lt. Artikel von „Österreich“ reicht schon ein einziger Blutstropfen, um die Tiere zu Berserkern werden zu lassen, die im Rudel über alles herfallen, was sich im Wasser bewegt.



Uns von Divestyle erfreut diese Nachricht!
Einerseits weist er darauf hin, dass es vor Kroatien noch Haie gibt (sofern diese beiden Tiere nicht die letzten Exemplare waren und der Fischer Anton Roca (30) aus Vodice nun für die Ausrottung von Haien in dalmatischen Gewässern verantwortlich zeichnet – ich hoffe, die Redaktion von „Österreich“ hat Herkunftsort, Namen und Alter des Fischers im Hinblick auf diese Möglichkeit geändert)!




(c) G. Grafl

Andererseits zeigt die Panikmache des Artikels, dass selbst in jungen Redaktionen alte Ansichten vertreten sein können. Schon der österreichische Tauchpionier Prof. Dr. Hans Hass hat in den 1940er-Jahren festgestellt, dass die Gattung Hai mit ihrem zuvor sagenumwobenen und alles vernichtendem Bestienruf nicht viel gemein hat! Viel mehr wird der Beuteinstinkt der Haie in erster Linie vom Zappeln verletzter Fische geweckt. Viele Haiangriffe auf Menschen rühren daher, dass Harpunenfischer ihre teilweise noch lebende Beute an ihren Hosen befestigt hatten und erst dann aus dem Wasser kamen, wenn im wahrsten Sinne des Wortes „kein Platz mehr an der Hose“ war. Der Hai hat hochsensible Sinnesorgane an seinem Körper, die ihn Schwingungen auch auf große Entfernungen wahrnehmen lassen. Sein Geruchsinn ist zwar ebenso ausgeprägt, allerdings braucht es dazu wesentlich mehr als nur einen Blutstropfen, um einen Hai auf sich aufmerksam zu machen. Auch der zeitliche Faktor spielt dabei eine große Rolle, Schwingungen breiten sich unter Wasser wesentlich schneller aus als Flüssigkeiten.
Alles in allem sei festgestellt, dass es statistisch wesentlich wahrscheinlicher ist, von einer herab fallenden Kokosnuss erschlagen, als an der kroatischen Küste von einem Hai angegriffen zu werden!


Author: Thomas Steigberger
27.07.2007







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