Redaktion: Schönen guten Tag Herr Wipplinger und viele Dank für das Gespräch. Wie kommt es, dass in Österreich eine Haischutzorganisation gegründet wurde, obwohl wir doch gar keine Haie haben?

Helmut Wipplinger, Präsident SHARKPROJECT Austria: Das ist eine gute Frage: Warum beschäftigen wir uns im Binnenland Österreich mit dem Schutz von Haien? Dazu gibt es für mich mehrere Ansätze. Unser Land hat eine lange Geschichte in der Meeresforschung. Die Ursprünge gehen auf die bedeutenden Biologen und großen Expeditionen des 19. Jahrhunderts zurück. Beispielsweise die Novara-Expedition (1857–59) eine groß angelegte Weltumsegelungsmission der österreichischen Kriegsmarine, deren Expeditionsberichte in vielen Sprachen übersetzt zu einem weltbekannten Bestseller wurden. Oder die österreichischen Pola Tiefsee Expeditionen im Mittelmeer und Roten Meer (1890-98) nach denen die tiefste Stelle der Mittelmeeres benannt ist – die Pola-Tiefe. Auch ein Wiener - Professor Dr. Hans Hass, erfand das was man heute unter Tauchen versteht und erlangte mit seinen Filmen und Vorträgen über die Unterwasserwelt weltweiten Ruhm. Er war auch mit seinem Team der erste Mensch, der es wagte frei unter Haien zu tauchen und ist übrigens seit vielen Jahren Ehrenmitglied von SHARKPROJECT. Sie sehen also, wir haben auch in Österreich eine langjährige Tradition bezüglich dem Meer und damit auch der Haie.

Redaktion: Und glauben Sie, dass man die Österreicher auch zum Haischutz animieren kann?

H.W.: Viele Österreicher lieben das Meer und verbringen dort ihren Urlaub. Wir haben das Glück in einem der reichsten Länder mit der höchsten Lebensqualität zu leben und sind uns dieses Privilegs im Alltag gar nicht bewusst. Wir sollen daher auch über den Tellerrand unsere Landes hinausschauen und Verantwortung dafür übernehmen was global zur Zeit mit unserm Planeten, mit der Umweltzerstörung generell, passiert. Das sind wir unserem Glück eigentlich schuldig.

Redaktion: Hauptberuflich arbeiten Sie ja im Management eines bekannten Elektronikkonzerns (Anm.: ABB). Was hat Sie motiviert, sich neben Ihrem durchaus fordernden Beruf auch noch ehrenamtlich um den Haischutz zu kümmern?

H.W.: Ich bin der Vater von drei Kindern und fürchte, unsere Kinder und Enkeln werden uns eines Tages fragen, warum wir damals nichts dagegen getan haben, als die Zerstörung der Ökologie unsere Welt so rasend vorangeschritten ist.

Redaktion: Und warum bemühen Sie sich gerade um den Schutz von Haien und nicht um irgendwelche anderen Tiere?

H.W.: Im Gegensatz zu anderen Tierarten wie Wale, Robben, Tiger und Co. haben Haie in der Öffentlichkeit keine Lobby. Die Öffentlichkeit schreit nicht auf, obwohl jährlich 200 Millionen Haie von Menschen abgeschlachtet werden und sie akut vom Aussterben bedroht sind. Doch gerade Haie nehmen im größten Ökosystem unseres Planeten, den Ozeanen, eine Schlüsselstellung ein, da diese Tiere an der Spitze der Nahrungskette stehen. Die Ausrottung der Haie hat unabsehbare Folgen für die komplexen Zusammenhänge im Lebensraum Meer, ein totaler Zusammenbruch wird von vielen Wissenschaftlern befürchtet. Auch wir Menschen sind von dem marinen Ökosystem völlig abhängig, denn der Sauerstoff den wir mit jedem Atemzug einatmen wird großteils von den Algen in den Oberflächenschicht der Meere abgegeben.

Und genau da sehen wir unsere Hauptaufgabe bei SHARKPROJECT Austria: Die Information der Öffentlichkeit über die katastrophale, von uns Menschen verursachte Situation der Haie und die Folgen daraus für uns alle.

Redaktion: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen SHARKPROJECT Austria alles Gute für die Zukunft.




Helmut Wipplinger, Präsident Sharkproject Austria


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