Reisebericht Mosambique

Was weiß man über Mosambik? Es liegt irgendwo im Süden Afrikas, hat eine beeindruckende Küste und es soll ein Paradies für Taucher sein.

Mosambik – ein Land, das in mir nicht die geringste Assoziation auslöste, als ich mit meiner Schwester Ilona unsere Reise plante. Die schönsten Lodges und besten Divespots ausfindig machen, das war unser Auftrag auf dieser Recherchereise. Doch trotz aller Anstrengungen, die eine Reise bedeutet, denke ich nun, da ich wieder in Österreich weile, wenig an Arbeit, wenn ich an Mosambik zurückdenke. Ich denke an weiße Sandstrände, schwebende Mantas, grüne Palmenwälder, riesige Walhaie, sengende Hitze und lächelnde Gesichter.


Doch von Anfang an: Der Flug ist anstrengend doch irgendwann nach Wien, Paris und Johannesburg erreichen wir Maputo, die Hautstadt von Mosambik. Ein kleiner Flughafen den man passieren muss, um Inlandsflüge zu bekommen. Die Hitze ist drückend, wir sind etwas müde und voller Spannung, wo wir landen werden.
Auf der Suche nach den perfekten Stränden, den schönsten Lodges und den aufregendsten Tauchplätzen wollen wir 2 Provinzen an der 2700km langen Küste auskundschaften: Inhambane und Vilankulo. Wir starten in der Gegend um Inhambane, einer kleinen Stadt, die an einer natürlichen Bucht am Fluss Matumba liegt und nicht nur wegen ihrer langen Geschichte eine der interessantesten und schönsten Städte im Süden Mosambiks darstellt.


Am Flughafen on Inhambane werden wir schon von den Besitzern des Flamingo Bay Resorts erwartet. Wir steigen in einen Jeep und biegen nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt auf eine Sandpiste ein. Die Farben sind überwältigend, die Straße schlängelt sich wie glühend rote Feuerszungen unter strahlend blauem Himmel durch die schon kitschig grünen Palmenwälder und wir genießen die Fahrt in vollen Zügen. Auch wenn der Jeep etwas rumpelt, so werden wir doch auf unserer weiteren Reise bemerken, dass Sandpisten in Mosambik, abgesehen von Tonnen an rotem Sand, der sich durch die „natürliche Aircondition“ im Jeep am ganzen Körper sammelt, meist komfortabler sind als asphaltierte Straßen, die von Schlaglöchern nur so strotzen.


Am Tor des Flamingo Bay Resorts erwartet uns ein kleiner Golfwagen, der uns über einen auf Pfählen gebauten Steg zum Haupthaus des Resorts bringt, das durchgehend auf Stelzen steht. Wir sind überwältigt! An der Rezeption trinken wir durstig unseren Welcome Drink und erreichen, wieder per Golfwagen, unseren Wasserbungalow, eine Stiege führt von jedem Bungalow direkt ins Wasser. Abends jedoch ist es am Pool am schönsten, wenn die Sonne glutrot im Meer versinkt und der Pool direkt ins Meer überzugehen scheint. Wir genießen unseren Gin Tonic und sind jetzt schon für die lange Reise vollauf entschädigt.


Für den nächsten Tag ist ein Tauchgang geplant und so brechen wir schon früh zum Barra Dive Center auf, geführt von Lisa, die uns ein perfektes Briefing gibt und sehr auf Sicherheit bedacht ist, was ich als äußerst angenehm empfinde. Der Tauchgang führt zum Manta Reef, dem berühmtesten Riff der Gegend. Dort gibt es diverse Cleaning Stations, wo die Mantas sich sammeln, und ich gebe noch zu bedenken, dass ich aber bitte auch einen Walhai sehen will, für die das Land und besonders die Gegend um Inhambane berühmt ist. Doch eine Garantie kann Lisa nicht geben, immerhin kann man die Natur niemals vorhersagen.


Der Tauchgang ist grandios! Riesige Barsche, Trompetenfische, Rochen und dann: Mantas! Diese edlen Tiere kommen uns ganz nahe, einer scheint in einem Meter Entfernung über mich hinwegzufliegen! Wir können uns kaum losreißen, da kommt noch ein Riffhai auf uns zu. Völlig begeistert steigen wir ins Boot, um nach 10 Minuten Fahrt wieder unsere Masken und Flossen anzulegen und erneut ins Wasser zu springen: ein Walhai hat sich zu uns gesellt und wir schnorcheln ein Stück des Weges mit diesem Riesen der Meere. Ein Augenblick, den kein Taucher jemals vergessen wird. Ich bin restlos zufrieden!


Am nächsten Morgen machen wir noch einen Tauchgang mit vielen Großfischen und Delphinen um dann wieder auf der roten Lehmstraße in Richtung Guinjata weiterzureisen.
Die Ankunft in Guinjata ist beeindruckend: schon aus dem Jeep bietet sich uns der perfekte Ausblick über eine riesige Bucht und einen weißen Sandstrand. Das Resort ist auf hügeligen, mit Palmen bewachsenen Sanddünen gebaut und erstreckt sich über ein großes Areal. Am Abend ist die Stimmung in der Bar nach einem guten, ausgiebigen Abendessen ausgelassen und wir trinken mit Derreck, dem Tauchschulbesitzer, auf unseren nächsten Tauchgang.
Dieser führt uns wieder zum Manta Reef, da das Resort nur 15 Minuten Bootsfahrt von diesem Highlight entfernt liegt, und auch diesmal enttäuschen uns die Riesenrochen nicht. Einer lässt sich sogar im Wasser stehend von allen Seiten wie eine Diva fotografieren. Und auch die weiteren Tauchgänge zu anderen Divesites sind umwerfend. Muränen, Haie und Rochen aller Art werden gesichtet, aber auch für Makroliebhaber ist allerhand dabei. Das Dive Center ist mit neuestem Equipment ausgestattet, die Leute freundlich und hilfsbereit, also ein voller Erfolg!


Nach 3 Tagen verlassen wir Guinjata und werden von Liz, der Managerin, nach Tofo gebracht, dem wohl touristischsten Ort der Gegend. Doch wenn ich touristisch sage meine ich 3 Resorts und 3 Restaurants. Alles in Mosambik ist noch sehr ursprünglich, der Tourismus steckt im ganzen Land noch in den Kinderschuhen und wir genießen es, sowohl in den Lodges als auch bei den Tauchgängen unter uns zu sein.
Zum Tauchen fahren wir mit den üblichen Zodiac-Booten zum Giant´s Castle, die Strömung ist stark und die Sicht nicht besonders und so erleben wir unseren ersten Tauchgang in Mosambik ohne Großfische, der aber der einzige bleiben wird.


Nach einer Nacht starten wir früh unsere anstrengende Fahrt per Bus nach Vilanculo. Für Reisende mit weniger Zeit und Abenteuerlust bietet die Fluglinie LAM aber einen Direktflug von Inhambane nach Vilankulo, der einem viel Mühe und Zeit erspart. Von Vilanculo aus reisen wir weiter auf das dem Ort vorgelagerte Bazaruto-Archipelago. Vom Hafen werden wir von einer Yacht abgeholt und fahren voller Vorfreude auf den weißen Strand von Bazaruto Island zu. Der Himmel ist blau und aus dem türkisen Meer ragen riesige Sanddünen hervor. Das aus 3 Hauptinseln bestehende Archipel sieht aus wie auf einer Postkarte.


Die Benguerra Lodge ist atemberaubend, jedes kleinste Detail ist mit Liebe ausgesucht. Nur an die offenen Bungalows müssen wir uns erst gewöhnen und so schrecken wir beim Abendessen auf, ob wir den Schlüssel vergessen haben, bis wir wieder bemerken: ohne Türen auch kein Schlüssel. Nach einem köstlichen Abendessen haben wir uns entschieden: Wir haben unser Paradies gefunden!

Das Tauchcenter ist klein aber perfekt ausgerüstet und Ben, der Leiter, ist äußerst bemüht, uns all unsere Wünsche zu erfüllen. Wir fahren an den weißen Sanddünen entlang zum 2-Mile-Reef, ein sehr schönes Riff mit wunderbaren Korallen und vielen Fischschwärmen. Auf der Rückfahrt machen wir an der Innenseite des Riffs noch Halt und erleben einen der schönsten Schnorchelplätze, wo uns die Korallen- und Fischvielfalt begeistern und nicht nur ein Blue-Spottet-Sting-Ray unsere Wege kreuzt. Den Tag lassen wir am endlosen Sandstrand unter Palmen ausklingen, wo uns keine Menschenseele stört, und ich schwimme noch allein in den Sonnenuntergang, bevor wir am nächsten Tag das Paradies verlassen müssen.


Wir setzen zeitig mit dem Boot zur Dugong Beach Lodge über, und wieder einmal werden unsere Erwartungen übertroffen: unser Bungalow ist ein Häuschen mit eingebautem Zelt, das Badezimmer bietet eine Badewanne aus Stein sowie eine Freiluftdusche und die Moskitonetze sind mit Muscheln bestickt.
Nachdem wir schon vom Steg, der übers Meer hinausgeht, Fischschwärme bewundern konnten, wollen wir gleich los zum nächsten Tauchabenteuer, und das bekommen wir auch: durch die sogenannte „Waschmaschine“, eine Meeresenge mit gewaltigem Seegang, bringt uns der Skipper sicher zum gewünschten Tauchplatz und wir erleben einen perfekten letzten Tauchgang am Marlin Penacle: Muränen, Giant Sandsharks und eine schwimmende Schildkröte begleiten uns auf unserem Weg durch wunderschöne Korallenlandschaften, und wieder einmal beweist Mosambik all seine Unterwasserpracht und wird seinem weltweiten Ruf als Paradies für Großfischliebhaber gerecht.


Nun, nach einer anstrengenden Erkundungsreise durch dieses wunderbare Land, habe ich Assoziationen zu Mosambik. Und jede von ihnen entspricht meinem Bild eines Traumurlaubs. Ob über oder unter Wasser, auf jeden Fall ist Mosambik eine Reise wert, wie gemacht für Abenteurer, die dem Massentourismus entkommen und ihr eigenes Paradies entdecken wollen.


Author: Nicola Puchas
4.3.2008


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