DIVESTYLE-Mitglied Walter Mannsberger wird als erster Athlet mit Handicap bei einem internationalen Apnoewettbewerb der AIDA-Austria an den Start gehen. Bei der am 1. November stattfindenden Hydro-Dynamic im Sportzentrum Südstadt in Maria Enzersdorf wird Walter in der Disziplin Dynamic (DYN) antreten, als Coach begleitet ihn seine Assistentin Heidi Rosenbusch.

Wir haben Heidi und Walter zu ihrem Vorhaben befragt:





Ihr seid seit heuer Mitglied bei Club DIVESTYLE, wie ist es dazu gekommen?

Walter: Nach einem meiner Besuche im Ottakringerbad vor ca. 1 Jahr, sah ich im Eingangsbereich einige Vereinsmitglieder des Club Divestyle, die mich gleich dazu animierten doch mal zu einem Probetraining vorbei zu schauen. Da ich damals sehr unglücklich mit meinen Flossen war (mit Schuhgröße 36 ist es eine echte Herausforderung gute Flossen zu finden), jedoch durch das Fehlen meiner Arme um schwimmen zu können auf jene angewiesen bin, ergriff ich die Chance um mich endlich mit Fachleuten unterhalten zu können.
Gesagt, getan. Bereits am darauffolgenden Mittwoch wurden meine Assistentin und ich Heidi sehr freundlich aufgenommen und wir wurden meiner Meinung nach sehr professionell von Henni mit all den wichtigen Dingen des Apnoe- Tauchens, wie richtige Atemtechniken und Sicherheitsbestimmungen vertraut gemacht.
Was mir aber auch besonders positiv aufgefallen ist, dass uns von Anfang an, von jedem einzelnen Mitglied, freundliche Unterstützung und freundschaftlicher Umgang entgegengebracht wurde.
Genauso ist auch Heidi zum Club gekommen, die mir seit nun schon mehr als 3 Jahren als persönliche Assistentin in allen Lebenslagen unterstützend und beratend zur Seite steht.
Unbedingt muss ich jetzt auch noch erwähnen, dass wir dank Henni, endlich meine Traumflossen gefunden haben.

Heidi: Da kann ich mich Walter nur anschließen. Obwohl das Thema Apnoe für mich sehr neu war, da ich bis dahin nur schnorchelnd mit meinen Flossen unterwegs war, hatte ich schon nach kurzer Zeit einen guten Einblick in die Materie und fühlte mich schnell freundlich aufgenommen und zum Club gehörend.





Bei der heurigen Ferienmesse warst Du, Walter, schon freitauchend im Tauchcontainer. Wir haben Dich dort ohne Tauchermaske gesehen. Wirst Du bei der Hydro-Dynamic auch ohne Tauchermaske antreten?

Walter: Ja, ich werde beim Wettbewerb auch ohne Maske antreten. Da ich immer schon ohne Maske tauche, bin ich es nicht anders gewohnt.
Um meine Augen, aber in Zukunft nicht mehr so stark mit Chlorwasser zu belasten, probiere ich schon öfter sie doch beim Training zu benutzen. Das funktioniert soweit ganz gut, nur mit der Abschätzung der Entfernung hab ich noch so meine Probleme.





Werden Sportler mit Handicap in Österreich gefördert?

Walter: Ich bin zwischen 1995 - 2001 für den RC Tulln viele Radrennen bei den Versehrten gefahren, da hatte ich das Gefühl, dass ich im Verhältnis zu einigen „unversehrten“ Radamateuren, von meinem Verein gemeinsam mit dem Versehrtensportverband fast besser unterstützt wurde.
Wie die Umstände woanders waren weiß ich nicht. Durch die vielen tollen Leistungen bei den Paralympischen Spielen wird sich, denke ich auch einiges geändert haben, aber dazu kann ich nicht viel sagen, da ich schon seit längerem nicht mehr an Wettkämpfen im Versehrtensport teilnehme.





Welche Verbesserungsvorschläge möchtet Ihr betreffend Förderungen für SportlerInnen mit Handicap anbringen?

Walter: Um speziell für mich zu sprechen, würde ich mir in einem der größten Sportzentren Österreichs, nämlich der Südstadt, wo mir mein Verein noch ein Training vor dem dort stattfindenden Wettkampf ermöglichte, eine Behindertendusche wünschen.
Ich bin dem LTVW sehr dankbar, dass er uns diese tollen Trainingsmöglichkeiten (Anmerkung: im Ottakringerbad und im Sommer im Theresienbad) bietet, möchte aber trotzdem noch dieses eine spezielle Ereignis ansprechen:
Der Club Divestyle hat mir eine Mitgliedskarte für meine Assistentinnen zur Verfügung gestellt. Da Heidi nicht immer Zeit hat oder auch mal krank ist, wird sie in so einem Fall von einer ihrer Kolleginnen vertreten, deshalb ist auf dieser Karte auch kein Name eingetragen. Bei einer Kontrolle eines übereifrigen Kontrolleurs vom LTVW, wurde dies als Missbrauch tituliert, da es unbedingt notwendig sei, dass der Name angeführt wird. Daraufhin wurde meiner Assistentin damals der Eintritt verwehrt. Mit Hilfe meines Tauchclubs, konnte ich aber mein Training ein wenig später, aber doch, durchführen.
Wie ich vor kurzem gehört habe, wird dieses durch Intervention meines Tauchclubs beim LTVW, bei der nächsten Sitzung besprochen und vielleicht auch geändert. In der Zwischenzeit, hat mir mein Tauchclub noch zusätzliche Karten zur Verfügung gestellt, damit mir und meinen Assistenten so etwas in nächster Zukunft nicht mehr passiert.

Ich würde auch gerne an den logischen Menschenverstand appellieren, wenn ich z.B. in Bädern, wo ich seitdem ich ein Kind war mit Flossen schwimmen durfte, da es mir durch mein Handicap nicht anders möglich ist , plötzlich nicht mehr mit Flossen schwimmen darf, und man sich dann auf einmal nach 50 Jahren auf die Badeordnung beruft (Ottakringerbad).

Aber im Gegensatz dazu, möchte ich natürlich auch die Bäder erwähnen die mir meinen Lieblingssport weiterhin ohne Probleme ermöglichen (Hütteldorfer- Hietzinger- Donaustädterbad), auf die ich ausweichen kann, wenn mir im Sommer weniger Trainingzeiten zur Verfügung stehen.

Heidi: Mit Förderungen für Sportler mit Handicap kenne ich mich zu wenig aus.
Was mir aber sehr wohl aufgefallen ist, dass speziell im Apnoebereich, Sportler mit Handicap etwas sehr Neues sind und dieser Bereich so schnell wie möglich in aktuelle Statuten und Reglements aufgenommen werden sollte.
Und um auf den Vorfall mit dem Kontrollorgan des LTVW einzugehen, wollte ich nur anmerken, dass die Situation weit weniger ärgerlich und unangenehm gewesen wäre, hätte man mir und Walter nicht diesen lauten, respektlosen Umgang entgegengebracht und mich auch noch des Missbrauchs von Mitgliedskarten bezichtigt.
Trotzdem bin ich sehr froh, dass uns der LTVW überhaupt diese Trainigszeiten ermöglicht.





Ihr wart vor kurzem im neuen sagenumwobenen Tauchturm in Italien. In der Thermenlandschaft von Monte Grotto ist der „Y40“ mit 40 Metern Tiefe untergebracht. Wie waren Eure Eindrücke dort?

Walter:
Ich glaube ich kann da auch für Heidi sprechen: „It was amazing“. Aber sie soll dann noch selber ihre Eindrücke schildern.
Da Heidi und ich kein ärztliches Attest dabei hatten, durften wir nur unter Aufsicht eines ausgebildeten Tauchlehrers und nicht tiefer als 5 Meter tauchen. Henni war so lieb und stellte sich sofort zu Verfügung diese Aufgabe des Instructors, nicht nur für uns beide, sondern mehrmals zu übernehmen. Ich war natüüüüüürlich nicht tiefer als 5 Meter.

Heidi: Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen. Die Möglichkeit, sich als Taucher, in dieser angenehmen Atmosphäre und dann noch in Thermalwasser treiben lassen zu können, finde ich total klasse. Ich muss ehrlich sagen, der Y- 40 gehört definitiv zu meinen Highlights des Jahres 2014. Nicht zuletzt liegt das natürlich an der Kooperation von Michael Goldschmidt mit Club Divestyle, der uns diese schöne Erfahrung in tollen Bildern festgehalten hat. Hier nochmals ein großes Dankeschön an unseren Michael. Ich hoffe es folgen noch weitere solcher Treffen.





Wie kam es zu dem Entschluss, bei der kommenden Hydro-Dynamic anzutreten?

Walter: Da ich, wie schon erwähnt, früher bei vielen Radrennen mit gemacht habe, aber an diesen, wegen zu starker Gelenksprobleme, nicht mehr teilnehmen konnte, wollt ich nach fast 15 Jähriger Pause wieder mal Wettkampfluft spüren.





Welche Erwartungen hast du beim Wettbewerb?

Walter:
Ich möchte meine Trainigsleistungen, die ich mir in den vergangenen Monaten angeeignet habe im Wettkampf umsetzen können. Das Wenden ist nicht einfach für mich, da ich mich aber in der Südstadt vorbereiten durfte, dürfte dies beim Wettkampf kein wirkliches Problem sein.
Vor allem freue ich mich aber auf den Moment, in diesem wahnsinns langen Becken, fast wie schwerelos, so lange als möglich dahingleiten zu können.



Habt Ihr weitere Teilnahmen bei Apnoebewerben geplant?

Walter: Ich hätte schon Lust, in der Südstadt auf jeden Fall. Die Bedingungen sind, bis auf die Behindertendusche, die hoffentlich bald eingebaut wird, für mich ideal. Wäre schön, wenn es auch anderswo so angenehme Bedingungen gäbe.



An Heidi: was sind Deine Aufgaben dabei als Coach?

Heidi: In erster Linie werde ich Walter als persönliche Assistentin zur Seite stehen, und freue mich ihm als Coach mental unterstützen zu können und hoffe einen geregelten Ablauf für seine Wettkampfteilnahme gewährleisten zu können.





Walter tritt in der Disziplin DYN an. Warum nicht auch bei Statik?

Walter: Das ist ein leidiges Thema für mich. Ich bin dem Club auch beigetreten, um mein Lungenvolumen zu stärken, da ich ja Panflöte spiele. Vor allem, aber durch gewisse Atemtechniken ruhiger zu werden. Bis jetzt ist mir das leider noch nicht gelungen.
Bei meiner letzten Vorbereitung in der Südstadt für DYN verbrachte ich die gleiche Zeit unter Wasser, wie bei meinem letzten Statik Versuch in Oberlaa. Das ist dann für mich doch zu kurz. Ich brauche einfach die Dynamik. Vielleicht kommt das auch von dem stundenlangen Ergometertraining vom Radfahren. Aber wer weiss, eigentlich sollt ich es ja parallel üben, meint Henni, um mich bei DYN zu verbessern, aber derzeit bin ich mit meinem momentanen Stand schon zufrieden.


Es freut uns außerordentlich, dass Ihr diesen mutigen Schritt wagt und wir wünschen Euch das Allerbeste dafür!
Vielen Dank für das Interview!
Interview-Fragen: Thomas Steigberger

Links:
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Hydrodynamic Wettkampf 2014
- Y40-Tauchturm in Montegrotto / Italien
29.10.2014
(c) Fotos: Michael Goldschmidt, Henriette Kissling




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